MIGRAR – Ein Workshop mit Zeit für Emotionen im Zentrum für Alte Musik

Für Adrian Schvarzstein ist Flucht ganz real. Und auch wenn die Flucht im Musiktheaterstück MUSICA FUGIT, das im März erneut in Köln-Ehrenfeld stattfindet, eine gespielte ist, so kann sie doch Gefühle wecken, die wir im Alltag gern verdrängen. Konflikte, Traumata und Krisen – jeder Mensch kennt sie und jeder ist irgendwann in seinem Leben irgendwann einmal vor irgendetwas auf der Flucht. Die Motive dafür sind vielgestaltig. Und doch ist da auch eine Lust auf Gefahr und Auseinandersetzung, die nicht wirklich rational ist und bei der uns Flucht und Verdrängung schon so manches Mal das Leben gerettet haben.

So ist das Thema des von Schvarzstein und zwei Mitgliedern des katalanischen Ensembles Kamchatka geführten Workshops MIGRAR ein durchaus allgemeines. Ganz bewusst richtet sich das Angebot an Flüchtlinge aus Krisengebieten und an Kölner, die ihre eigene innere Flucht ergründen wollen. MIGRAR ist ein offener Theaterkurs, der ans Eingemachte geht und vor nichts Halt macht. Manche Teilnehmer sind durchgehend dabei, andere nehmen nur an einzelnen Tagen  am Workshop teil. Und dennoch wächst die Gruppe immer wieder neu zusammen, denn die drei Theaterleute schaffen es, Hemmschwellen abzubauen und vermeintliche Peinlichkeiten zuzulassen. „Aquí no hay verguenza“, so Schvarzstein – Hier ist nichts peinlich.

Und so kommunizieren die Teilnehmer auf verschiedenste Weise miteinander und erzählen sich ihre Lebensgeschichten in Rollen- und Theaterspielen, die meist ganz ohne Worte auskommen.

img_0549Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und der Türkei, Nachfahren von Emigranten aus Südamerika, den USA, Ungarn, Rumänien, Israel und anderen Ländern treffen im ZAMUS zusammen, um ihre Geschichte zu teilen und die der anderen zu erfahren. Völkerwanderung und Emigration spielen dabei ebenso eine Rolle wie persönliche Schicksale. „Wir sind alle gleich“, so lautet das Credo von Adrian Schvarzstein und er schafft es, auch die unterschiedlichsten Lebenswege in gemeinsame Erlebnisse münden zu lassen.

Die Teilnehmer des Workshops werden bei den drei Aufführungen von MUSICA FUGIT am 23., 24. und 25. März mitwirken, sich unter das Konzertpublikum mischen und der Inszenierung einen ganz neuen Anstrich geben. Geschult mit frischen Theater-Techniken werden sie gemeinsam mit den Darstellern von Kamchatka und den Besuchern der Aufführungen durch die Straßen Ehrenfelds fliehen.

MUSICA FUGIT ist keine komplett neue Inszenierung, aber eine Neuauflage der erfolgreichen Produktion, die in 2016 Presse und Besucher begeistert hat. Jeder Abend ist ein bisschen anders, jede Gruppe hat ihre eigene Dynamik und ihre eigene Energie und es lohnt sich auch für all diejenigen, die FUGIT schon erlebt haben, noch einmal dabei zu sein. Denn jeder Fluchtweg ist anders und man kann nicht wissen, welches Schicksal einen diesmal ereilt. Von denjenigen, die sich im letzten Jahr nicht einlassen wollten wünscht sich Adrian Schvarzstein eine Reflexion ihrer Abwehr gegen die gespielte Flucht. Und lädt sie ein, es noch einmal zu versuchen.

Der Workshop MIGRAR findet heute Abend (Mittwoch) noch einmal statt, von 18 bis 22 Uhr im ZAMUS.

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